Akademie Aktuell: 1200 Jahre Bistum Hildesheim

Akademie Aktuell
Dr. Thomas Scharf-Wrede:
Entwicklungen und Schwerpunkte

Mit den beiden Kunst-Akzenten Bernwards-Tür und Christus-Säule begann Dr. Thomas Scharf-Wrede, Leiter des Bistumsarchivs in Hildesheim, seinen Vortrag zu 1200 Jahre Geschichte des Bistums Hildesheim. Bischof Bernward förderte nicht nur die Künste, sondern setzte sich tatkräftig für die Domschule ein, um die Bildung, auch des Klerus, zu entwickeln. Seine Grablege fand Bischof Bernward in der von ihm erbauten St. Michaels-Kirche in Hildesheim.

Neben der Sicherstellung eines ordentlich gefeierten Gottesdienstes ging es ihm ebenso um die Sorge für die Caritas und die Bewahrung von sicheren Außengrenzen – waren er und die folgenden Bischöfe doch nicht nur geistliche, sondern auch weltliche Herrscher.

Seinem Nachfolger Godehard ging es dann um die Reformation der Klöster und die Sicherstellung der Präsenz der Kirche in der Fläche, wie wir heute sagen würden.

Damit sind bereits wichtige Aspekte der Bistumsgeschichte markiert, die sich in den folgenden Jahrhunderten in unterschiedlicher Weise akzentuieren sollten: Bildung, insbesondere auch für junge Menschen, Gottesdienstangebote in der Nähe der Menschen.

 

 

 

Die verschiedenen Ausgestaltungsformen des Hildesheimer Doms kamen ebenso zur Sprache: Der von Bischof Hezilo (1054-1079) in den Dom gebrachte Leuchter (symbolisierend das himmlische Jerusalem), hängt nach der Domrenovierung wieder an der ursprünglichen Stelle.

Ein weiterer Meilenstein war die Aufwertung des Domkapitels durch Bischof Adelog im Jahr 1179: Das Domkapitel bekam Grundbesitz zugeteilt, war an der weltlichen Herrschaft beteiligt und wählte den Bischof. Das Wahlrecht ist bis heute erhalten.

Sowohl die Auseinandersetzung mit den Welfen (Schlacht bei Dinklar 1367), die Folgen der Reformation, die Bedeutung der Orden für das Bistum (1595 übernahmen Jesuiten die Domschule), die Wirren der Französischen Revolution (1802 wurde der Domhof besetzt und die Bischöfe waren lediglich geistige Oberhäupter und verloren ihre weltliche Jurisdiktionsmacht), die Neuordnung nach dem Wiener Kongreß (1814/15), die nicht nur zum Königreich Hannover führte, sondern auch die flächenmäßige Beschreibung der Bistümer Osnabrück und Hildesheim ordnete, und die Auseinandersetzungen während des Kulturkampfes gegen Reichskanzler Bismarck (1872-1887), kamen zur Sprache.

Goslarer sind bestimmt auch daran interessiert: Am 1.1.1805 wurde die Jakobikirche wieder katholisch: Pater Ontrup feierte dort Gottesdienste. Von den ca. 5000 Einwohnern Goslars wurden in 24 Haushalten 83 Katholiken gezählt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Scharf-Wrede warf ebenso einen Blick auf das 19. Jahrhundert: Die Lage war neu, die Grenzen des Bistums nach 1814/24 neu beschrieben (und haben bis auf kleine Korrekturen bist heute Bestand): Nur gab es vor allem rund um Hildesheim (dem alten Hochstift) und im Eichsfeld Kirchen.

An allen anderen Orten wurden erste Notkirchen errichtet, immer in Zusammenhang mit katholischen Schulen. Die Initiative ging dabei durchgehend von den Katholiken vor Ort aus.
Scharf-Wrede: „Da gab es keinen zentralen Master-Plan.“ Vermutlich so etwas wie lokale Kirchenentwicklung.

Weitere Meilensteine sind mit den Katholikentagen 1924 und 1962 beschrieben.
Die Zerstörung des Domes am 22.3.1944 und dessen Wiederaufbau erst 1960 waren weitere Einschnitte.

Nach dem 2. Vatikanischen Konzil fand 1968/69 eine Diözesansynode statt, für die Bischof Heinrich Maria Jansen die Genehmigung aus Rom brauchte, um Laien (Männer und Frauen) daran zu beteiligen.

Die Herausforderungen blieben und bleiben vergleichbar, so Scharf-Wrede: Was tun für die Bildung? Welche Bedeutung haben Orden für das spirituelle Leben (z. B. Gründung des Klosters Marienrode durch Bischof Dr. Josef Homeyer für die Benediktinerinnen)? Wie kann man Kirche näher an die Menschen bringen?

Zur Geschichte des Bistums Hildesheim und dessen 1200-jährigem Bestehen sind eine Reihe von Veröffentlichungen erschienen.

 

 

 

 

 

 

 

Text und Fotos: Norbert Lübke
(nl-24.04.2015)

Das könnte Sie interessieren

Dr. Andreas Fritzsche
verstorben

mehr »

Das Programm für das
2. Halbjahr ist erschienen!

mehr »

Gastbeitrag von Dr. Bendels
u.a. in der "Christ & Welt":
"Wir müssen reden"

mehr »

Kritik am Plan
des Bundesfinanzministers,
Erwachsenenbildung zu besteuern

mehr »

Tagen im Ambiente einer
Jugendstilvilla?
Wir freuen uns auf Ihre
Anfrage!

Freie Termine:
hier »

Das Wetter in Goslar