Zur Amazonas-Synode. Werkstattbericht eines beteiligten Bischofs

Warum überhaupt diese Synode? „Das einzige Wirtschaftsmodell in ganz Amazonien ist die Ausbeutung von Rohstoffen“, berichtet Coter. Der größte Trend der letzten Zeit sei die Brandrodung von Wald, um Fläche für Viehzucht zu gewinnen, weil dies lukrativer sei. Mittelfristig führe es aber zu erheblichen Problemen: Wenn der Wald erst einmal weg sei, werde die Gegend zu Wüste – ökologische Veränderungen mit weltweiten Auswirkungen.

Die Referenten des Podiums (v.l.n.r): Moderator Johannes Reichart, Bischof Eugenio Coter und Dr. Dietmar Müßig, Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Hildesheim

Dieses Wirtschaftsmodell habe direkte Auswirkungen auch auf die indigene Kultur und Bevölkerung, die davon bedroht sei. Ihrem Rufen insbesondere sei der Papst mit der Einberufung der Synode nachgekommen – trotz Kritik von Teilen der Kurie.

Innerkirchliche Kritik erfuhr auch die Synoden-Empfehlung, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, um dem Priestermangel in Amazonien zu begegnen. Coter macht deutlich: „In meiner Diözese finden jeden Sonntag etwa 30 Messfeiern statt, aber über 200 Wort-Gottes-Feiern“, weil es an Priestern fehle. Deshalb habe die Synode den Papst um die Ausarbeitung eines „amazonischen Ritus“ gebeten. Dieser solle die Weihe von ständigen Diakonen zu Priestern beinhalten, aber auch bestimmte kirchliche Ämter für Männer und Frauen ermöglichen. Der Wunsch der Synode sei es, so Coter, dass der Papst den amazonischen Bischöfen die Möglichkeit einräume, Priester vom Zölibat zu dispensieren, was kirchenrechtlich ohnehin erlaubt sei: „Für Katholiken sind die Sakramente das wichtigste. Warum enthält man ihnen aufgrund des Priestermangels das Wichtigste vor?“, fragt Coter und ergänzt: „Wenn der Papst es erlaubt, würde ich auch Frauen weihen!“

Moderator Johannes Reichart präsentierte als Einstimmung auf die einzelnen Themenblöcke des Abends Ausschnitte aus seiner Dokumentation "Neue Hoffnung für die Kirche? Die Amazonas-Synode", die Sie in voller Länge in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks finden oder direkt hier ansehen können.

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