Geschichte

 

© Elisabeth Keil

Das Gebäude des St. Jakobushauses wurde 1901 am Rande der Goslarer Altstadt errichtet, ursprünglich als repräsentatives Wohnhaus der Industriellenfamilie Alberti. 1859 war im Rammelsberg ein neues Erzlager entdeckt worden, und die Wirtschaft erfuhr dadurch einen enormen Aufschwung. Am Ende dieses ereignisreichen Jahrhunderts setzte in Goslar ein regelrechter Bauboom ein, der die ehemaligen Befestigungsmauern sprengte.

 Else Alberti mit Sohn Karl um 1915
v.l.n.r: Else Alberti mit Sohn Karl um 1915, Kommerzienrat Dr. Rudolf Alberti, Die Kinder Helene, Marie, Rudolf und Karl

Neben dem eigentlichen Wohnhaus, der Villa Alberti, entstanden auf dem Grundstück verschiedene Wirtschaftsgebäude, so das Gartenhaus, das Weinhaus, das Warm- und Kalthaus, ein Mittelbau, die Anlage für die Wasserheizung sowie ein achteckiger Wintergarten.

Ab September 1902 diente das Haus der sechsköpfigen Familie und ihren Angestellten als Wohnhaus. Neben der Köchin, evtl. mit Familie, dem Küchenpersonal, Zimmermädchen und sonstigen Dienstboten mögen so um die zehn Personen in dem Haus gelebt haben. Hinzu kommen die beiden Gärtner, die mit ihren Familien das Gartenhaus bewohnten.


Kaffeetrinken im Gewächshaus

Das Erdgeschoss des großen Wohnhauses und Teile des ersten Obergeschosses dienten natürlich repräsentativen Zwecken: Salon, Wohnzimmer, Damen- und Herrenzimmer, Speisezimmer und großer Wintergarten im Erdgeschoss, Saal, Gesellschaftszimmer und Wohnzimmer im Obergeschoss. Dort befanden sich auch ein Schlafzimmer und zwei Kinderzimmer.


Die Villa von der Tappenstraße aus gesehen

Im zweiten Obergeschoss sind drei große Räume als Fremdenzimmer bezeichnet, auch befanden sich hier eine Stube, eine Kammer und eine eigene Küche für das Dienstpersonal. Der Wirtschafts- und Dienstbotentrakt war durch einen separaten Eingang zu betreten. Dort befanden sich im Erdgeschoss Küche und Speisekammer und im ersten Obergeschoss zwei Kammern. Im Keller schließlich waren Waschküche, Plättstube, Heizkeller und Kohlenkeller zu finden und zu guter Letzt war das heutige Sekretariat als Laboratorium eingerichtet, und dessen Angestellter lebte ebenfalls im Haus.

 

St. Jakobushaus

Nach dem Tod des Erbauers 1922 wurden etliche Räume der Villa zu Geschäftsräumen umfunktioniert, bis sich die Familie entschloss, Haus und Grundstück zu verkaufen.

1945 beschlagnahmte die britische Besatzungsmacht das Haus - sie zog sich jedoch sehr früh wieder zurück. Daher konnten die Räume als Wohnstätte für Heimatvertriebene und Flüchtlingsfamilien genutzt werden; außerdem beherbergte die Villa in dieser Zeit etliche Betriebe. Die Witwe des Kommerzienrates, Else Alberti, wohnte noch bis 1953 in dem Haus.

Nach dem Krieg stieg die Zahl der Katholiken in Goslar erheblich, und man benötigte dringend eigene Räumlichkeiten. Als die Villa Alberti zum Verkauf angeboten wurde, entschloss sich die St. Jakobigemeinde unter besonderem Einsatz von Dechant Winter, diese als Gemeindehaus zu erwerben. Die prächtige Villa heißt seither St. Jakobushaus und wird seit 1958 als Bildungshaus genutzt.

In den Jahren 1974/75 wurde das St. Jakobushaus zum ersten Mal erweitert, um dem gestiegenen Veranstaltungsprogramm Rechnung zu tragen. Entlang der Reußstraße entstanden 8 Zimmer mit Nasszellen und eine Wohnung. Ein zweiter Erweiterungsbau wurde 1985/86 errichtet: Der neue Gebäudetrakt an der Südostterrasse ist direkt mit dem Hauptgebäude verbunden und umfasst einen Vortragsraum sowie die St. Norbert-Kapelle. Gleichzeitig entstand ein Gästehaus mit 12 Zimmern anstelle der baufälligen Gebäude an der Tappenstraße, das "Dechant-Winter-Haus".
 

Jakobus der Ältere ist Patron des St. Jakobushauses. Dieses Patronat ist von der Jakobikirche auf die Villa Alberti übertragen worden, die die Kath. Gemeinde Goslar 1954 als Gemeindehaus und Kindergarten erwarb.
 

St. Jakobus

Als einer der 12 Apostel hat Jakobus Jesus auf seinen Wegen in Galiläa und nach Jerusalem begleitet. Die Evangelien berichten, dass er bei der Verklärung Jesu und in der Nacht vor seinem Tod im Garten Getsemani dabei war. Von seinem Tod im Jahre 43 können wir in der Apostelgeschichte lesen; er wurde von Herodes Agrippa I. in Jerusalem hingerichtet.

Dass Jakobus d. Ä. Patron von Spanien wurde, ist der Tatsache geschuldet, dass sein Grab in Santiago de Compostela verehrt wird. Die berühmten Jakobswege in Europa – einer davon führt durch Goslar - haben dort im Norden Spaniens ihr Ziel.

Heiner J. Willen


Bau der St. Norbert-Kapelle 1985/86

 

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